• <strong>ZAHNFLEISCHPROBLEME</strong>
    ZAHNFLEISCHPROBLEME

Eine Veränderung im Gleichgewicht der im Mund lebenden Bakterien und die Ansammlung von oralem Biofilm (bakterieller Plaque) können Ursache für Zahnfleischentzündung und Zahnfleischbluten sein und zu Zahnfleischerkrankungen führen, die sowohl bei eigenen Zähnen (Gingivitis und Parodontitis) als auch bei Zahnimplantaten (Periimplantäre Mucositis und Periimplantitis) möglich sind.

Bei der Gingivitis handelt es sich um eine reversible Erkrankung, für die eine Zahnfleischentzündung typisch ist und die das Weichgewebe befällt. Das Gewebe des Zahnhalteapparats ist davon nicht betroffen. Wird eine Gingivitis nicht kontrolliert, dann kann sie sich zu einer Parodontitis weiterentwickeln, einer Erkrankung, die bis in die tiefsten Bereiche des Zahns vordringt (in die Wurzelhaut und den zahnstützenden Alveolarknochen), und die zum Zahnverlust führen kann.

Nach Aussage der Spanischen Gesellschaft für Parodontologie und Osseointegration sind Gingivitis und Parodontitis die beiden häufigsten Erkrankungen. Die Prävalenz bei Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren liegt bei 59,8% bzw. 25,4%. Bei Patienten zwischen 65 und 74 Jahren beträgt sie 51,6% bzw. 38%. Mehr als die Hälfte der spanischen Bevölkerung über 35 hatte schon einmal Gingivitis, und jeder Dritte hatte schon einmal Parodontitis

URSPRUNG

Verursacht werden Zahnfleischerkrankung durch die Ansammlung von oralem Biofilm, dem Haupterreger von parodontalen Erkrankungen (Gingivitis und Parodontitis) und periimplantären Erkrankungen (Periimplantäre Mucositis und Periimplantitis).

URSACHEN

Die Entstehung der Gingivitis wird durch mehrere Faktoren begünstigt.

  • Gingivitis im Zusammenhang mit lokalen Faktoren: im Allgemeinen in Zusammenhang mit unzureichender Mundhygiene, Zahnfehlstellungen, traumatischer Okklusion, überkonturierten Füllungen, festen und herausnehmbaren orthodontischen Apparaturen und herausnehmbaren und festen Prothesen (Brücken und Kronen), wobei die beiden letzten eine Reizung des Zahnfleisches hervorrufen und das Risiko einer Gingivitis erhöhen.
  • Gingivitis infolge von systemischen Faktoren: manche Arten von Gingivitis hängen mit dem Hormonsystem zusammen. Schwangerschaft, Pubertät, der Menstruationszyklus und ein unkontrollierter Diabetes können hier unter anderem eine Rolle spielen.
  • Arzneimittelbedingte Gingivitis: infolge der Einnahme bestimmter Medikamente.
  • Gingivitis durch Fehlernährung: manchmal hängt Gingivitis mit Ernährungsdefiziten zusammen. 
Falls sich die Gingivitis weiterentwickelt, kann aus ihr eine Parodontitis werden. In diesem Fall breitet sich die Entzündung des Zahnfleisches auf tiefer liegende Bereiche des Zahns aus (Wurzelhaut, Bindegewebe und Alveolarknochen).

Situationen, die Patienten einem Parodontitis-Risiko aussetzen, sind unter anderem Rauchen, emotionaler Stress oder körperliche Belastungen, hormonelle Veränderungen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre), Medikamente wie Verhütungsmittel und Corticosteroide, akute Infektionen und chronische Erkrankungen wie Diabetes.

DIAGNOSE

Die Diagnose von Zahnfleischerkrankungen erfolgt durch Beobachtung und macht es dem Patienten leicht, die Probleme selbst festzustellen. Wenn eine Gingivitis vorliegt, beobachtet man normalerweise, dass das Zahnfleisch gerötet und entzündet ist und blutet. Bei Zahnfleischbluten muss man den Zahnarzt aufsuchen, um mögliche Komplikationen auszuschließen und sich die Behandlung empfehlen zu lassen, die am besten geeignet ist. Charakteristisch für eine Parodontitis ist, wenn das Zahnfleisch gerötet und entzündet ist, blutet und zurückgeht, wenn die Zähne beweglich werden und der zahnstützende Alveolarknochen abgebaut wird.

BEHANDLUNG BEIM ZAHNARZT

Im Mittelpunkt der Vorbeugung und Behandlung dieser parodontalen und periimplantären Erkrankungen (durch eine Verschlechterung der die Implantate umgebenden Gewebe) muss die Anwendung entzündungshemmender Maßnahmen stehen. Ziel ist, den oralen Biofilm (die bakterielle Plaque) mechanisch aufzulockern und die Anzahl der krankmachenden Bakterien bis auf eine mit der Gesundheit verträgliche Menge zu reduzieren. Hierzu müssen mehrere Behandlungsformen kombiniert werden, unter anderem eine mechanische und chemische Behandlung. Die mechanische Behandlung mit der Zahnbürste lockert den oralen Biofilm auf; allerdings gibt es hierbei gewisse Einschränkungen bei nicht-kooperativen Patienten. Darum sind Antiseptika wie Chlorhexidin und Cetylpyridiniumchlorid als chemischer Zusatz zur mechanischen Behandlung wichtig, wenn der orale Biofilm kontrolliert werden soll. 

Antiseptika wie Chlorhexidin, der Goldstandard bei den Antiseptika1, und andere, wie zum Beispiel Cetylpyridiniumchlorid, sind Wirkstoffe mit einer Wirkung gegen Gingivitis und gegen Zahnbeläge. Nicht jede Mundspülung, die Chlorhexidin enthält, ist gleichermaßen wirksam, denn die Wirkung hängt von der Rezeptur ab. Die alkoholfreie Kombination aus 0,12% Chlorhexidin und 0,05% Cetylpyridiniumchlorid ist für spezielle Situationen wie Parodontitis1 und Periimplantitis2 angezeigt. Zahlreiche Veröffentlichungen unterstützen diese als die wirkungsvollste antiseptische Rezeptur3

Schwach konzentriertes Chlorhexidin (0,05%) in Kombination mit 0,05% Cetylpyridiniumchlorid kann für die tägliche Anwendung empfohlen werden: hiermit lässt sich das Wiederauftreten von Parodontalerkrankungen kontrollieren, insbesondere bei nicht-kooperativen Patienten, aber auch in weniger komplizierten Situationen. 

Falls Sie Veränderungen an Ihrem Zahnfleisch feststellen, suchen Sie bitte so bald wie möglich Ihren Zahnarzt auf. Untersuchung und Behandlung sind grundlegende Voraussetzungen, damit das Zahnfleisch wieder gesund und einer Erkrankung vorgebeugt wird. Das ist wichtig, weil eine Parodontalinfektion das Risiko für bestimmte systemische Erkrankungen, z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankung, Gelenkrheumatismus, sowie für komplexe Situationen wie Frühgeburten und Säuglinge mit geringem Geburtsgewicht erhöhen kann.

Parodontalerkrankungen während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft können die hormonellen und physischen Veränderungen bei Frauen leichte Komplikationen in der Mundhöhle verstärken und somit Parodontalerkrankungen wie etwa Gingivitis verursachen, welche nicht angemessen behandelt in eine Periodontitis münden können. In den Monaten der Schwangerschaft steigt die Gefäßpermeabilität, was vermehrt zu einer Übertragung von parodontalpathogenen Keimen und proinflammatorischen Signalen von der Zahnoberfläche in die Blutbahnen und letztlich zu einer systemischen Streuung und dem Befall der Plazenta mit den einhergehenden Komplikationsrisiken für das ungeborene Kind führen kann.

Eine Entzündung und Infektion der Plazenta kann unerwünschte Schwangerschaftsverläufe wie zum Beispiel Frühgeburten (vor der 37. Schwangerschaftswoche), niedriges Geburtsgewicht (unter 2500 Gramm) oder Präeklampsie/Eklampsie (in Verbindung mit schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck und erhöhtem Urin-Eiweiß) verursachen.

Aktuell leiden zwischen 60 und 75 % der Frauen während der Schwangerschaft an Gingivitis, einer Erkrankung, die auch Schwangerschafts gingivitis genannt wird und sich in der Regel im zweiten Trimenon verschlimmert. 50 % der Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft eine Gingivitis aufwiesen, erleben eine Verschlechterung ihres parodontalen Zustands und können sogar eine Periodontitis entwickeln.

Prävention ist der Schlüssel zur Reduzierung der Prävalenz von Gingivitis und ihres Fortschreitens zu einer Periodontitis bei schwangeren Frauen. Während der Schwangerschaft ist besonderes Augenmerk auf die tägliche Mundhygiene zu legen durch physische Kontrollen des oralen Biofilms mit speziellen Zahnbürsten für die Zahnfleischpflege und Zahnzwischenraumbürstchen sowie durch chemische Behandlungen des Biofilms mithilfe von Zahnpasten und Mundspülungen mit antiseptischen Mitteln, die während der Schwangerschaft als sicher und wirksam gelten, wie zum Beispiel Cetylpyridiniumchlorid.

Literaturhinweise

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- Quirynen M., Avontroodt P., Peeters W., Pauwels M., Coucke W., van Steenberghe D. (2001). "Effect of different chlorhexidine formlations in mouthrinses on de novo plaque formation". Journal of Clinical Periodontology; 28:1127-36).

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- Santacruz I. Enfermedad periodontal y alteraciones en el embarazo. En: II Simposio SEPA-DENTAID. Madrid; 2014.

- Curiel E, Prieto MA, Muñoz J, Ruiz de Elvira MJ, Galeas JL, Quesada G. Análisis de la morbimortalidad materna de las pacientes con preeclampsia grave, eclampsia y síndrome HELLP que ingresan en una Unidad de Cuidados Intensivos gineco-obstétrica. Med Intensiva. 2011;35(8):478-483.

- American Dental Association Council on Access, Prevention and Interprofessional Relations. Women’s oral health issues. American Dental Association, 2006.


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